Ich wollte ueber Politik schreiben. Aber es gab nichts zu berichten. Die Wahlen waren langweilig. Ich war enttaeuscht. Jetzt haste den Salat wuerden mir Argentinier sagen, wenn sie diesen Blog verstehen wuerden. Gottseidank tun sies nicht.
Ich weiss nicht ob das bei Euch in der internationalen Presse schon angekommen ist, aber hier herrscht Ausnahmezustand.
Alles fing vor 14 Tagen an. Da hatten sich so viele Bauern ueber die hohen Exportsteuern beschwert, dass die Regierung gesagt hat: Ihr motzt? Nagut, dann heben wir die Abgaben fuer Soja eben nochmal um 10%. Das habt ihr nun davon.
Schoen, der gemeine Bauer gibt jetzt also 65% der Exporteinnahmen an den Staat an. Fuer die Neuverteilung der Einnahmen. Und fuer den Verbraucherschutz; hat Cristina gesagt. Fanden die Bauern nicht so gut. Also wurden die Fernverkehrsstrassen blockiert. Tja. Das fand ich dann eher bescheuert, weil doch grad Ostern war, alle in Urlaub fuhren und meine Wenigkeit dann eben auch einfach mal 24 statt 14 Stunden nach Tucuman gebraucht hat. Das war aber auch alles was ich mir dazu gedacht habe. Luxusprobleme wuerde ich heute sagen. Denn dass nicht nur wir Reisenden nicht durchkommen sondern zum Beispiel auch keine Milch und kein Fleisch, daran habe ich nicht gedacht.
Leute, im Ernst. Ich finde das ehrlich gesagt auch immernoch nicht so besorgniserregend, denn ich komme aus einer geordneten Welt und Argentinien kommt mir nicht sehr anders vor als meine Heimat. Diese piqueteros werden uns schon nicht verhungern lassen denke ich mir. Aber ehrlich gesagt bin ich mit dieser Position recht alleine und mache mir unter den Argentiniern (vor allen jungen Muettern) bei den Diskussionen auch keine Freunde. Denn was fuer mich unvorstellbar ist wurde hier immer wieder wahrhaftig gelebt. Leere Supermarktregale – Unsicherheit. Die Stassensperren werden immer radikaler, Lastwagen kommen grundsaetzlich nicht mehr durch. Der Busverkehr in Richtung Norden wurde ausgesetzt (Fernzuege gibt es hier nicht). Und die Regierung lenkt nicht ein. Statt dessen haelt Cristina Ideologie-gefuellte Reden, ueber Politik fuers Volk, Treue und Ehrlichkeit. Im Zweifelsfall wird man davon auch nicht satt, sagen die Frauen.
Und was macht Argentinien also dagegen? Es holt jeden Abend um acht die Kochtoepfe raus und marschiert klappernd und hupend durch die Buenos Aires in Richtung Casa Rosada (das Regierungsgebaeude). Genau so, wie wir es beim wirtschaftlichen Zusammenbruch 2001/02 im Fernsehen gesehen haben. Just waehrend ich hier an Euch schreibe klappert und scheppert es neben mir her. Ich finde das aufregend, verwunderlich, und verwirrend zugleich. Auf jeden Fall finde ich es nicht mehr laecherlich, weil ernsthafte Aengste in den Menschen zu spueren sind. Weniger in den Topfschlaegern, das sind auch gerne mal wohlhabende Studenten die genauso wenig wie ich merken, dass das Fleisch in den kleinen Laeden schon lange vergammelt ist. Denn sie kaufen in den Supermaerkten die andere Lagerkapazitaeten haben. Aber eben auch andere Preise.
Macht Euch keine Sorgen. Noch ist es nicht extrem und das normale Leben laeuft. Aber auch wenn ich hier bestimmt nicht politisch korrekt und leider auch bestimmt kein vollstaendiges Bild male, lerne ich heute eine neue Dimension von Unsicherheit im Staat kennen, die ich mir so nicht haette traeumen lassen. Jedenfalls nicht in diesem Land.
1 Antwort bis hierher ↓
rini // 2 April, 2008 um 12:50 |
lindaaaa lastima q no entiendo lo q escribis, pero bue…
ya te extraño!
nos vemos en estos dias, besoO
vic